4.   AEDL Sich pflegen

3.   ATL Sich waschen und kleiden

 

Die Körperpflege drückt Selbstbestimmung, Identität, Persönlichkeit und Individualität aus. Mit dem Begriff "sich pflegen" sind nicht nur hygienische Aspekte gemeint wie Waschen, Zahn- oder Haarpflege, sondern auch die „Seelenpflege“ in dem Sinne, sich etwas zu gönnen wie beispielsweise ein Entspannungsbad oder Massage. Die Berührung der Haut ist nicht nur eine intime Handlung, sondern eine intensive nonverbale Kommunikation. 

 

Einflussfaktoren auf sich pflegen:

 

 

4. AEDL: Übersicht

Ganzkörperwaschung Mundpflege Zähneputzen
Pflege der Zahnprothese Die Rasur Kopfhaar
Beruhigende Ganzkörperwäsche Belebende Ganzkörperwäsche

 


Ganzkörperwaschung

Vor der Ganzkörperwäsche werden alle benötigten Utensilien bereitgestellt. Dazu gehören:

  • Waschschüssel mit Wasser (Temperatur nach Wunsch)
  • 2 verschiedene Waschlappen / Handtücher, falls kein täglicher Wechsel
  • falls gewünscht, Seife oder Waschlotion
  • Pflegemittel zur Durchführung der Prophylaxen, Hautpflege
  • Haut-, Mund- und Haarpflegemittel
  • Rasierzeug
  • persönliche Toilettenartikel des Betreuten

Sehr praktisch sind die sogenannten Waschwagen. Die Waschschüssel ist ordentlich befestigt und kann nicht wegrutschen. Die Ablagen bieten genügend Platz für Utensilien, Emulsionsspender oder Schreibpult. Die geteilten Waschschüsseln ersparen die zweite Waschschüssel.

 

Vorbereitung:

  • Fenster schließen
  • Ggf. Sichtschutz
  • Betreuten informieren
  • Lagerungshilfsmittel entfernen
  • Bewohner in bequeme Lage bringen, möglichst Oberkörperhochlage
  • Großes Kopfkissen entfernen, Handtuch unter den Kopf legen
  • Schutzschürze
  • Handschuhe
  • Händedesinfektion


Durchführung:

  • Individuelle Gewohnheiten beachten (z.B. Bewohner wusch sich immer das Gesicht mit klarem kaltem Wasser)
  • Oberkörper entkleiden und abdecken
  • Nur die jeweils zu waschende Körperregion wird aufgedeckt
  • Handtuch unter den jeweils zu waschenden Körperteil legen
  • Erwünschte bzw. notwendige Hautpflege oder Prophylaxen nach gründlichem Abtrocknen des jeweiligen Körperteils vornehmen (z.B. eincremen)
  • Augen von außen nach innen mit klarem Wasser auswischen
  • Gesicht, Hals, Ohrmuscheln und hinter Ohren waschen und abtrocknen
  • Evtl. Nasenpflege durchführen
  • Brust und Achselhöhlen waschen
  • Gründliches Abtrocknen, besonders, wo Haut auf Haut liegt
  • Arm mit langen zügigen Bewegungen waschen, abtrocknen
  • Am Ellenbogen auf Hautrötungen (Dekubitus) achten
  • Hände waschen, Fingerzwischenräume nach dem Waschen gut abtrocknen
  • Auf Fingernägel achten, ggf. nach Beendigung der Waschung Maniküre
  • Bauchregion inklusive des Bauchnabels waschen, gut abtrocknen
  • Bewohner setzen (seitlich drehen), Rücken waschen und abtrocknen
  • Ggf. Pneumonieprophylaxe durchführen
  • Oberkörper bekleiden
  • Unterkörper entkleiden und abdecken
  • Bein mit langen, zügigen Bewegungen waschen, abtrocknen
  • Füße und Zehen, bes. Zwischenräume, waschen, gut abtrocknen
    • Fußnägel überprüfen
    • Fersenregion auf Hautrötungen (Decubitus) überprüfen
    • Patienten zudecken
    • Waschwasser wechseln


Mögliches Schema bei der Ganzwaschung:

Intimpflege

  • Mit frischem Waschlappen und Handtuch Intimpflege
  • Schamgefühl nicht unnötig verletzen
  • Wenn möglich vom Bewohner durchführen lassen

 

Durch die Körperöffnungen im Intimbereich (Scheide, Harnröhre, After) ist dieser Bereich besonders infektionsgefährdet. Die natürliche Schleimhautflora wirkt zwar diesbezüglich wie eine Barriere, ist jedoch bei geschwächten Menschen häufig gestört. Harn- und Stuhlinkontinenz erhöhen das Infektionsrisiko. Eine korrekt durchgeführte Intimpflege ist also auch gleichzeitig Infektionsprophylaxe.

 

Durchführung:

  • immer mit frischem Wasser, evtl. milder waschaktiver Substanz
  • sauberer Waschlappen und Handtuch
  • weitestgehende Wahrung der Intimsphäre (Sichtschutz)
  • bei bestehender Infektion auf jeden Fall Handschuhe
  • unter das Gesäß des Patienten ein Handtuch legen
  • zunächst äußere Geschlechtsorgane, Schambehaarung, Leisten

Frauen:

  • zunächst die äußeren und inneren Schamlippen in Richtung Damm waschen = Zystitisprophylaxe
  • Über Harnröhrenöffnung und Scheidenvorhof fahren
  • sorgfältiges Abtrocknen der gewaschenen Region

Männer:

  • Vorhaut zurückschieben, Eichel von Absonderungen reinigen
  • Vorhaut wieder über die Eichel streichen
  • Waschen, Abtrocknen Penisschaft
  • Waschen, Abtrocknen Hodensack

 

  • Beobachtung von Hautveränderungen und Sekretausscheidungen
  • Patienten auf die Seite drehen und das Gesäß waschen, abtrocknen
  • Gesäßfalte und die Analregion waschen und sorgfältig abtrocknen
  • auf Hautrötungen (Decubitus) achten
  • Anziehen

Nachbereitung

  • Bewohner wieder bequem betten, bzw. lagern
  • Fenster öffnen
  • Aufräumen, Entsorgen der Pflegeutensilien
  • Einweichen der Waschschüssel in Desinfektionsmittel (oder Spülvorrichtung)


Vorhandene Fähigkeiten des Bewohners sollten gestärkt werden, auch, wenn dadurch die Pflegezeit verlängert wird.

Jegliche Selbsthilfeanteile des Bewohners sollten genutzt und unterstützt werden.

Einem schwerstpflegebedürftigen Bewohner den Waschhandschuh überzustreifen und die Hand zum Waschen zu führen, bedeutet für ihn ein Stück Selbstständigkeit und Eigenständigkeit und vermindert das Gefühl des Ausgeliefertsein.

Auf eine übertriebene Distanz (z. B. ständiges Tragen von Handschuhen) sollte verzichtet werden.

Auch Schwerstpflegebedürftige haben darauf einen Anspruch, dass ihr Schönheits- und Sauberkeitsgefühl beachtet wird.

Auch bei der Ganzwaschung im Bett bei Schwerstpflegebedürftigen sollte nie der Aspekt der Aktivierung und Unterstützung vernachlässigt werden.

 

Mundpflege


Der Mund ist äußerst differenziert: Nahrungsaufnahme, Sprechen

Der Mundraum stellt den Eingangsbereich des Verdauungssystems dar.

 

Mangelhafte Mundpflege führt zu

  • Unwohlsein
  • Krankheiten
  • Mundgeruch


> Mindestens 3 mal täglich

> Besonders bei Menschen, die oral nichts zu sich nehmen dürfen

 

Übernahme der Mundpflege

  • wenn der Bewohner die Spüllösung nicht ausspucken kann (Aspirationsgefahr)
  • Erkrankungen der Mundhöhle vorliegen
  • das Bewusstsein des Bewohners getrübt ist
  • der Bewohner stark körperlich oder geistig behindert ist
  • der Bewohner schwer krank oder pflegebedürftig ist
  • bei Sterbenden


Grundsätzlich gilt:

  • die Mundhöhle muss vor und nach der Pflege überprüft werden
  • behutsam durchführen, um keinen Brechreiz zu provozieren
  • besser natürliche Lösungen als medizinischen Lösungen
  • geringere Nebenwirkungen
  • schmecken besser
  • bedingt geeignet Kamillentee (nach 3 Min. ziehen Gerbsäure)
  • Malventee hilft gegen Mundtrockenheit
Stets auch an die Lippenpflege denken (Kein Labello)


Siehe auch Soor- und Parotitisprophylaxe!

 

Vorbereitung der Mundpflege:

  • Bewohner über die Maßnahme informieren
  • Möglichst den Oberkörper hoch lagern
  • Kopf leicht nach vorn neigen (Vermeidung Aspiration)
  • Kleidung, Bett durch ein Handtuch schützen.
  • Bedürfnisse und Gewohnheiten des Bewohners beachten


Material:

  • Holzspatel
  • Kompresse
  • Taschenlampe
  • Schutzhandschuhe
  • angeordnete Therapeutika
  • Salbe zur Lippenpflege
  • Lösung entsprechend des Zustandes der Mundhöhle
  • Mundpflegeset (mit Peanklemme, Tupfer - Verletzungsgefahr)
  • Abwurf


Durchführung

  • Mundhöhle inspizieren (Mundschleimhaut, Zunge, Zähne, Lippen)
  • Zähne putzen
  • Systematische Reinigung (oben, unten, rechts, links)
  • Tupfer in die Lösung tauchen (nicht tropfend)
  • Wischrichtung von hinten nach vorn (Jede Wischen neuer Tupfer)
  • Verordnetes Therapeutikum auftragen
  • Abschlußinspektion (Beläge, Hautzustand, Speisereste, Blutungen?)
  •  


Zähneputzen

Zahnbelag (Plaque) führt zu Karies

Zahnstein ist verkalkter Plaque

Parodontose ist die Rückbildung des Zahnbettes

Parodontitis ist eine Entzündung des Zahnbettes

Gingivitis ist eine Zahnfleischentzündung

 

Die Zähne eines anderen Menschen zu putzen erfordert Geschick und Einfühlungsvermögen.

 

Zahnpflege

  • nach jeder Mahlzeit
  • nach Obst, Säfte, etc. 30 Minuten warten - Säure greift Zahnschmelz an
  • Material

 

Material

  • Zahnpasta
  • Zahnbürste
  • wenn vorhanden elektrische Zahnbürste
  • Zahnseide
  • Zahnputzbecher mit Wasser
  • Nierenschale
  • evtl. Mundwasser
  • Handtuch


Durchführung

  • mindestens 3 Minuten
  • Mund vorher befeuchten
  • von rot nach weiß
  • kleine kreisende Bewegungen
  • leicht rüttelnd
  • sanfter Druck
  • Kauflächen kräftiger bürsten
  • Mund gründlich ausspülen lassen
  • evtl. Mundwasser benutzen

 


Pflege der Zahnprothese

  •  Nächtliches Prothesentragen: Gewohnheiten beachten
  •  Zahnprothesen sind teuer und zerbrechlich - sorgfältiger Umgang
  •  Zahnprothese nach jeder Mahlzeit reinigen
Tagsüber muss die Zahnprothese eingesetzt werden,
da der Kiefer sich rasch verändert.

 

Entfernen und Reinigen der Zahnprothese

  • Mit dem Daumen die Oberlippe nach oben schieben
  • Die Kante der Prothese mit dem Daumen nach unten schieben
  • Der Zeigefinger verhindert das Herunterfallen der Prothese
  • Zum Entfernen der Unterkieferprothese Daumen hinter die Lippe führen
  • Reinigung der Prothese unter fließendem Wasser, Speisereste entfernen

 

Vor Einsetzen der Prothese den Mund spülen und die Kieferbögen mit einer weichen Zahnbürste abbürsten (Speisereste und Haftcreme werden dadurch entfernt).


Einsetzen der Oberkieferprothese

  • Linke Hand zieht den Unterkiefer sanft nach unten
  • Erst eine Seite der Prothese in den Mund schieben
  • Dann die andere Seite in den Mund schieben
  • Leicht seitliches Einführen erleichtert die Platzierung
     

Beobachtung auf Veränderungen im Mundbereich:

Aphten sind schmerzhaft gerötete Hautdefekte der Mundschleimhaut. (Aphte)

Soor ist eine Pilzinfektion (weißer nicht abwischbarer Belag). (Soor)

Rhagaden sind aufgerissene Spalten der Mundwinkel (Rhagade)

Herpes sind schmerzhafte Bläschen auf den Lippen - Vorsicht: Infektionsgefahr! (Herpes simplex)

 

 

Die Rasur

Trockenrasur

Vorbereitung

Rasierapparat, Spiegel, Handtuch, Rasierwasser 

Durchführung

 
Elektrorasierer nie in der Nähe von mit Wasser gefüllten Behältern, wie z.B. Badewanne, Waschbecken und Waschschüsseln verwenden. 
 
Handtuch als Kleiderschutz über die Brust legen.Gerät einschalten und im rechten Winkel zur Haut halten. Die Haut mit der freien Hand straffen. Mit sanftem Druck zügig gegen die Bartwuchsrichtung führen. Problemhaare und Mehr-Tage-Bärte mit zugeschaltetem Langhaarschneider rasieren. Nach der Rasur nach Wunsch Rasierwasser oder Hautcreme auftragen. 
 

Reinigung des Rasieres

Scherkopf durch Knopfdruck abnehmen und ausgeklopfen. Klingen mit dem Bürstchen reinigen. Moderne Elektrorasierer haben eine Reinigungsstation, brauchen also nicht gereinigt werden. Beschädigte Scherblätter können die Haut verletzen, deshalb nach der Rasur die Schutzkappe aufsetzen. 

 
Frauen mit bartähnlicher Gesichtsbehaarung dürfen erst rasiert werden, wenn nach individuellen Gewohnheiten gefragt wurde. 
 
 

Nassrasur

Vorbereitung

Naßrasierer (Einmalrasierer), Rasierschaum (Rasiercreme), Rasierpinsel, Behälter mit warmen Wasser, Waschlappen, Handtuch, Rasierwasser, Spiegel. 

Durchführung

Überprüfen, ob eine saubere Klinge eingelegt ist. Handtuch als Kleiderschutz über die Brust legen. Mit warmen nassen Waschlappen die zu rasierende Hautpartie anfeuchten, Rasierseife mit dem Rasierpinsel auf die Haut etwa 2 mm dick auftragen. Die Haut mit der freien Hand straffen. Mit leichtem Druck gegen die Bartwuchsrichtung rasieren. Rasierer zwischendurch von Schaum und Haaren reinigen durch Abspülen in dem Behälter mit dem warmen Wasser.

 

Wird ein Bart ohne Zustimmung einfach abrasiert, auch wenn er ungepflegt ist, macht man sich der Körperverletzung schuldig! 

 

 

Kopfhaar

Die Haare sollten mindestens dreimal täglich frisiert werden.

Das Kämmen oder Bürsten regt die Durchblutung der Kopfhaut an.

Dabei muss unbedingt bei bewegungseingeschränkten Klienten die Kopfhaut auf Druckstellen kontrolliert werden.

Sprödes Haar oder extremer Haarausfall können ein Hinweis auf Mangelzustände oder Erkrankungen sein.

Wünsche müssen erfragt werden. Es dürfen nicht aus Bequemlichkeit einfach Zöpfe geflochten werden.     

Vorsicht mit Haarklemmen oder ähnlichen Utensilien (Druckstelle).

Falls Klient nicht in den Spiegel sehen kann, muss ein Handspiegel angeboten werden.

Falls der Klient bettlägrig ist, muss mindestens einmal in der Woche eine Haarwäsche im Bett angeboten werden, bei stark schwitzenden Klienten eventuell häufiger.

 

Haare dürfen nicht gegen den Willen des Klienten abgeschnitten werden (Körperverletzung) !

 

 

Beruhigende Ganzkörperwäsche

 

Zur Beruhigung

Zum Lösen von Angstzuständen

Verringerung der Schweißsekretion

Verringerung des Spannungszustandes der Muskeln (Muskeltonus)

Bewusstmachen des Körperschemas

Dauer: etwa 10 - 15 Minuten

Material:

Wasser 37 - 40° C

2 Waschlappen, 1 - 2 Handtücher oder Badetuch

 

Besonderheiten:

  • Waschung in Körperhaarrichtung
  • Symmetrisch
  • Nachmodellieren des Körpers
  • Langsame Durchführung
  • Ruhige Atmosphäre
  • Tätigkeiten 2 - 3 mal wiederholen
 
Wirkungsweise: Das Körperhaar ist an der Wurzel von einem Nervengeflecht umgeben, das die Berührung registriert und diese Information ans Gehirn weiterleitet.
 
 

Belebende Ganzkörperwäsche

 

Zur Belebung, Anregung, Erhöhung der Aufmerksamkeit

Depressionen

Diabetis

Gefäßleiden

Körperwahrnehmung

Dauer: etwa 10 - 15 Minuten

Material:

Wasser maximal 10° C unter der Körpertemperatur (25 - 27° C)

2 Waschlappen, 1 - 2 Handtücher oder Badetuch

 

Besonderheiten:

  • Waschung gegen die Körperhaarrichtung
  • (sonst wie bei der beruhigenden Ganzkörperwäsche, ebenso die Wirkungsweise)

 

 
Achtung!
 
Nicht bei Bewohnern mit Bluthochdruck!
Nicht bei desorientierten oder unruhigen Bewohnern!
Entspricht die Waschrichtung vorübergehend nicht der Haarwuchsrichtung,
stört es die harmonische Wirkung weniger als ein ständiges Wechseln.

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